
In der evangelischen Kirchengemeinde Denklingen wollen wir Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, die Ehre geben als dem einen Wort Gottes, das wir im Leben und im Sterben zu hören haben, dem wir vertrauen und gehorchen dürfen und durch den wir sowohl unsere Berufung wie unsere tiefste Befreiung erfahren (in Anlehnung an die Barmer theologische Erklärung von 1934).
Wir bekennen, dass die Botschaft vom Reich Gottes alle Lebensbereiche umfaßt, und dass der Heilige Geist uns als Gemeinde befähigen möchte, diese Botschaft sowohl seelsorglich wie evangelistisch, sowohl doxologisch wie diakonisch, sowohl gemeinschaftsstiftend wie prophetisch zu bezeugen. Dafür sind der Gottesdienst, das persönliche und das gemeinsame Beten sowie das beständige Hören auf die Heilige Schrift Quelle und Grundlage.
Ziel unserer Berufung ist es, dass andere Menschen das Evangelium als Glaubens- und als Lebenshilfe erfahren, dass sie daraus Lebensorientierung und Trost gewinnen und dass möglichst viele von ihnen zu leidenschaftlichen NachfolgerInnen Jesu Christi werden. Die Einladung Gottes ist bedingungslos, aber nicht folgenlos. Dementsprechend wollen wir sowohl eine offene Gemeinde mit niedriger Eintrittsschwelle sein als auch eine Gemeinde, wo die Verbindlichkeit des Lebens mit Christus vermittelt wird und eingeübt werden kann.
Die Taufe verstehen wir als das Sakrament eines befreienden und verpflichtenden Herrschaftswechsels im Leben eines Menschen sowie seiner lebendigen (und nicht nur äußerlichen) Eingliederung in die Gemeinschaft der Kirche Jesu Christi.
Unsere Gemeinde ist eine Frucht der Erweckungsbewegung im ausgehenden 19.Jahrhundert. Theologisch gesehen war sie von Anfang an eine Profilgemeinde in der Tradition des Pietismus. Dass sie zugleich als landeskirchliche Gemeinde Teil unserer Volkskirche war, wurde als missionarische Aufgabe begriffen.
Heute hat sich das Spektrum verschiedener Frömmigkeitsprägungen innerhalb unserer Gemeinde deutlich verbreitert, ohne dass das missionarische Profil dadurch undeutlich geworden wäre. Wir wollen Klarheit im Bekenntnis verbinden mit Offenheit und Vielfalt. Die Spannweite und Vielfalt von Gruppen und Glaubensausprägungen bedarf sowohl eines eigenständigen Entfaltungsspielraums wie der Vernetzung und des Austauschs untereinander.
Wir sehen, dass die gesellschaftlichen Veränderungen uns vor große Herausforderungen stellen. Die Stellung der Kirche innerhalb der Kirche selbst verändert sich. Manche Traditionen und Konventionen gehören mehr und mehr der Vergangenheit an. Andere Traditionen bleiben auch in Zukunft von hohem Wert. Sie wollen wir verbinden mit neuen Lebens- und Ausdrucksformen des Glaubens, sodass wir an einer zukunftsfähigen Gestalt von Gemeinde arbeiten, ohne unsere Wurzeln zu vergessen oder zu verleugnen. Ordnungen und Strukturen unserer landeskirchlichen Verfassung sind für uns bedeutsam, aber nicht sankrosankt. Sie sind in einem dynamischen Sinn sowohl zu berücksichtigen wie stets neu zu interpretieren.
Die Gastfreundschaft Gottes im Leben der Gemeinde zur Darstellung zu bringen, ist unverzichtbarer Bestandteil unseres Selbstverständnisses. Dabei orientieren wir uns an Traditionen, die seit biblischen Zeiten und immer wieder in der Kirchengeschichte lebendig waren. Gastfreundschaft ist jedoch mehr als "Kundenorientierung"; sie ist ein Wesenszug des Reiches Gottes und findet ihren besonderen Ausdruck in biblischen Bildern und Gleichnissen, in denen das Reich Gottes als Fest der Versöhnung, der Geschwisterlichkeit und des Friedens beschrieben wird. Zu einer gastfreundlichen Gemeinde gehört immer die Tischgemeinschaft und das Feiern. Gastfreundschaft entsteht aber nicht primär durch besondere Veranstaltungen, sondern ist ein vom Evangelium vorgegebener Lebensstil, der eine bestimmte Kultur des Umgangs untereinander und mit kirchenfremden Menschen hervorbringt Gastfreundschaft bedeutet bedingungslose Annahme des anderen um Christi willen. Sie äußert sich in vielfältigen Symbolen, Ritualen, Begegnungsformen und Angeboten im Gemeindeleben bis hin zur einladenden Gestaltung von Räumen. Sie möchte Beheimatung ermöglichen und zugleich Freiheit gewähren.
Im Zentrum unserer Gemeinde steht der Gottesdienst.
Wir verstehen den Gottesdienst als Fest der Auferstehung und des Neuanfangs, als Einübung in das Lob Gottes und die Nachfolge, als Ort der Tröstung, Vergewisserung und Gemeinschaftsbildung. Im Gottesdienst und in der Feier des Abendmahls sollen die Grenzen von religiöser und kultureller Prägung, sozialer Herkunft, Geschlecht, Alter oder sonstigen Gruppenzugehörigkeiten zeichenhaft überwunden werden.
Neben dem Hauptgottesdienst am Sonntagmorgen gibt es weitere Gottesdienst-angebote mit besonderer Ausgestaltung oder für besondere Zielgruppen.
In allen unseren Gottesdiensten hat das Singen und Musizieren einen besonders hohen Stellenwert. Gesang und Musik sollen in erster Linie den Gemeindeaufbau und die Gemeinschaft fördern, Freude bereiten und dem Lob Gottes dienen.
Die Gaben, die dafür in unserer Gemeinde vorhanden sind, wollen wir integrieren und zur Entfaltung bringen.
Wir verstehen es als eine besondere Herausforderung und als einen spezifischen Ausdruck unserer Gemeinde, dass unterschiedliche musikalische Stilrichtungen und Ausdrucksformen in einem ausgewogenen Verhältnis stehen und miteinander gepflegt werden. Traditionelles Liedgut und klassische Formen der Kirchenmusik wollen wir pflegen; auf neue Lieder und moderne geistliche Musik legen wir jedoch ebenfalls großen Wert, wobei das Spektrum von Taizé-Gesängen über charismatische Lobpreislieder bis hin zur Gospelmusik reicht.
Musik, die die Menschen in unserer Gemeinde erreicht und sie emotional anspricht, geben wir den Vorrang gegenüber hohen künstlerischen Ansprüchen; ebenso hat "Mitmachmusik" Vorrang gegenüber Vortragsmusik.
Die Bedeutung unserer Chöre geht über den musikalischen Aspekt weit hinaus. Sie sind Orte der Gemeinschaft, der Glaubensaneignung und der Glaubensweitergabe. Sie sind ein unverzichtbarer Teil des Gemeindeaufbaus.
Die Berufung zum Glauben ist immer Berufung in die lebendige Gemeinschaft der Kirche.
Dafür bedarf es überschaubarer und differenzierter Gemeinschaftsangebote. Zu diesem Zweck fördern wir in unserer Gemeinde die Hauskreisarbeit und vielfältige Gruppenangebote, in denen Lebenshilfe, Freizeitgestaltung, Entfaltung von Gaben und Interessen und Hören auf Gottes Wort ganzheitlich verbunden sind.
Wir wollen uns in unserer Gemeinde um ein Klima bemühen, das von der Wertschätzung des Einzelnen bestimmt ist. Jedes Zusammenleben bedeutet eine fortwährende Bewährungsprobe. In dieser Hinsicht dient das Stichwort der "versöhnten Unterschiedlichkeit" als Leitbegriff.
Zur Kultur der Wertschätzung gehört in unserer Gemeinde auch die Anerkennung und der Dank gegenüber ehrenamtlich Mitarbeitenden, z.B. in der Form von Mitarbeiterfesten. Zeichen der Anerkennung dürfen aber nicht nur "von oben nach unten" weitergeben werden. In der geistlichen Gemeinschaft der Kirche ist niemand eines anderen Mitarbeiter, alle sind MitarbeiterInnen Christi.
Aus dem Hören auf Gottes Wort und der Verwurzelung des einzelnen in tragenden Beziehungen erwachsen geistliche Berufungen.
Wir orientieren uns an dem biblischen Grundgedanken, dass der Glaube auch zeugnisfähig sein soll und zur Mitarbeit an Gottes Reich führt. Die Glieder der Gemeinde sind Träger und TrägerInnen von geistlichen Gnadengaben. Gabenorientierte Mitarbeit bedeutet zugleich, dass wir uns von einer Betreuungsgemeinde zu einer Beteiligungsgemeinde hin entwickeln möchten.
Wege zum Glauben, Wachsen im Glauben und Befähigung zur Mitarbeit bedürfen ständiger Förderung, Begleitung und Ermutigung. Zu diesem Zweck soll es in unserer Gemeinde ein kontinuierliches Schulungsangebot in Form eines Kurssystems unter der Bezeichung "Bibel-, Glaubens- und Mitarbeiterschule" geben, dass den unterschiedlichen Erfordernissen und Bedürfnissen im Blick auf Förderung und Schulung gerecht wird.
Eine der wesentlichsten Lebensäußerungen der Kirche besteht in ihrem seelsorglichen Auftrag.
Das bedeutet für uns nicht nur, einander in der Liebe Christi anzunehmen, sondern auch durch Besuche in den Dörfern und Häusern unserer Gemeinde sowie in den Altenheimen und Krankenhäusern diejenigen Menschen aufzusuchen, die unsere Nähe, Aufmerksamkeit, Begleitung und Anteilnahme benötigen und annehmen. Dafür haben wir eine umfangreiche Besuchsarbeit ins Leben gerufen, die zum großen Teil durch ehrenamtliche MitarbeiterInnen geschieht. Darüber hinaus bemühen wir uns, so weit es unseren Möglichkeiten entspricht, auch um fachlich orientierte Seelsorge und Beratung.
Besondere Aufmerksamkeit widmen wir den Kindern und Jugendlichen.
Wir bemühen uns um ein möglichst breites missionarisch orientiertes Angebot für Kinder und Jugendliche.
Die Kindergottesdienstarbeit in Denklingen und Brüchermühle ist von großer Bedeutung.
EC und CVJM nehmen im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit in unserer Gemeinde einen entscheidenden Platz ein.
Jugendarbeit braucht das breite Spektrum von Gruppenangeboten, Freizeiten, besonderen Aktionen (z.B. Jugendwochen, Konzerte und Ferienspaß-Aktionen).
Ein besonderer Schwerpunkt ist die Offene Jugendarbeit, die namentlich Jugendlichen aus sozial schwierigen Hintergründen einen sicheren und lebensfördernden Ort bieten will. Dieser Bereich wird durch einen Förderkreis gestützt, der einen hauptamtlichen Mitarbeiter durch Spenden finanziert.
In einer Zeit, wo Ehe und Familie in ihrer Bedeutung vielen fraglich geworden ist, bemühen wir uns darum, eine familienfreundliche Gemeinde zu sein. Familien mit Kindern gleich welchen Alters sollen bei uns Unterstützung und hilfreiche Angebote finden.
Kirchenraum und Gottesdienstgestaltung erlauben es, dass an jedem Sonntag Familien mit Kindern gleich welchen Alters teilnehmen können.
Besondere Angebote für Eltern mit (kleinen) Kindern halten wir für erstrebenswert und unerläßlich. Dazu gehören z.B. unsere Mutter-Kind-Gruppen und Vater-Kind-Freizeiten.
Das Weitersagen des Evangeliums gemäß dem Missionsbefehl ist durch keine andere Lebensäußerung der Gemeinde zu ersetzen.
In einer weitgehend säkularisierten Gesellschaft hat für uns die Glaubensweitergabe an die nächste Generation sowie gegenüber suchenden und fragenden Menschen einen hohen Stellenwert. Darum gestalten wir den Kirchlichen Unterricht im Sinne eines "gestreckten Katechumenats" für verschiedene Altersstufen. Außerdem wird das Angebot von Glaubenskursen für Jugendliche und Erwachsene immer wichtiger. Taufunterweisung und Tauferneuerung gehören ebenfalls in diesen Bereich. Eine offene Gemeinde spiegelt das Evangelium nur unzureichend wieder, wenn sie nicht zugleich Menschen in die verbindliche Nachfolge Jesu Christi einlädt und einführt.
Unsere seelsorgliche und unsere missionarische Zuwendung zu den Menschen soll begleitet sein von diakonischer Hilfsbereitschaft..
Dabei verbinden wir Einzelfallhilfe für Menschen in der näheren Umgebung mit materieller Hilfe für den "fernen Nächsten" durch mehrere ökumenische Partnerschaftsprojekte.
Der diakonische Auftrag wird verkürzt wahrgenommen, wenn er nicht auch die Bereitschaft zu öffentlicher Verantwortung einschließt. Auch als Gemeinde haben wir einen Zeugnisauftrag im Blick auf Gerechtigkeit und Frieden und ein Wächteramt im Blick auf problematische gesellschaftliche Entwicklungen. In der Wahrnehmung dieser Verantwortung befinden wir uns in unserer Gemeinde erst am Anfang.
Die Dienste und Aktivitäten unserer Gemeinde sollen in einer inneren Balance stehen mit einer lebendigen Spiritualität, wodurch geistliches Leben wachsen kann und Tiefe gewinnt.
Darum bemühen wir uns darum, unser Handeln aus der Stille vor Gott erwachsen zu lassen, wozu wir Zeiten und Orte der Stille und des Hörens aufsuchen und auch für andere anbieten. Es geht um die Spannung von Aktion und Kontemplation, Arbeit und Stille, Bewegung und Innehalten. Nicht nur gesellschaftliche Tendenzen, sondern auch die Gefahr bloßer Betriebsamkeit innerhalb der Gemeinde fordern uns heraus, die Dimension des Schweigens und der Einkehr im Blick zu behalten. Auf diesem Weg erschließen sich uns alte, unverbrauchte Quellen der Kirche, lernen wir, die mystische Seite des Glaubens zu entdecken und sabbatlich zu leben. An Orten der Stille und des Gebetes erneuert sich unser Glaube und unsere Hingabe, verändern sich alte Lebensmuster und werden konfliktbeladene Beziehungen neu auf die gemeinsame Mitte ausgerichtet, die Christus selbst ist.
Vom Presbyterium verabschiedet,
Denklingen, den 15.Oktober 2003
Montag, 7. April 2008, ChristophC