Am 12. Juni fand eine Versammlung des Förderkreises „Offene Jugendarbeit“ statt. Dabei wurde angeregt, noch einmal eine Zusammenfassung der bisherigen und der geplanten Arbeit zu geben.
Erinnerungen an ein mutiges Projekt
Es war 1996, dass Presbyterium, Pfarrer und Gemeinde den Plan fassten, neben den bestehenden Jugendgruppen eine „offene Jugendarbeit“ aufzubauen, um kirchenferne Jugendliche zu erreichen. Dazu musste ein eigenes Haus her. Nur so konnten alle Jugendlichen angesprochen werden, ohne Angst vor kirchlichem Druck. Im Sinne der Gastfreundschaft, ein besonderes Anliegen der Gemeinde, sollten die Jugendlichen aller Nationalitäten und Konfessionen eingeladen sein – für Spiel und Sport, für Diskussionen und Einzelgespräche, für gemeinsames Essen und auch (ganz freiwillig natürlich) für gemeinsame Andachten im Stil der Jugendkultur. Die Vision war damals, ein Bethaus, ein Gasthaus und ein Spielhaus anzubieten. Für die Andachten stand der Kirchenraum, der ganztägig geöffnet ist, zur Verfügung. Gemeinsames Essen konnte im Bistro des CVJM verwirklicht werden. Das Angebot zur Freizeitgestaltung brauchte aber ein eigenes neues Haus, das die Jugendlichen mitgestalten und sich zu eigen machen konnten. Das sollte ihnen ein Stück Heimat anbieten. An die Jugendlichen mit Migrationshintergrund und an diejenigen, die wenig eigene Freizeitgestaltung kannten, wurde dabei vorwiegend gedacht. Ohne eigene Mittel ein solches Haus zu planen, schien aberwitzig zu sein. Aber innerhalb eines Jahres war das Haus erstellt – und schuldenfrei! Viele Gemeindemitglieder waren bereit, unter fachkundiger Leitung die handwerklichen Tätigkeiten zu übernehmen, bis zu 40 Gemeindemitglieder beteiligten sich an den Eigenleistungen. Aber das Material in Höhe von ca. 152.000 DM musste bezahlt werden, und das gelang nur durch viele Spender, Sponsoren, Unterstützer und Förderer. Angefangen von Einzelspenden über Daueraufträge bis hin zum Sponsern durch mehrere Firmen (durch besonders kostengünstige Realisierungen) – die Begeisterung für das Projekt riss viele Menschen mit. Gott gab seinen Segen zu diesem Vorhaben! Bauantrag und Baugenehmigung, die erste Klippe, erfolgte ohne Verzögerung. Der Rat und die Verwaltung der Gemeinde Reichshof, mit Bürgermeister Welter und Gemeindedirektor Rolland, standen dem Plan offen gegenüber und halfen, auch die Bedenken der Nachbarschaft zu überwinden. Die Handwerker setzten sich großartig ein, sie hielten die Termine ein und halfen bei überraschenden Problemen, wie jeder Bau sie mit sich bringt. Eine Stimme von den vielen freiwilligen Mitarbeitern: „Beim Bau des Jugendhauses beteiligte ich mich an zwei Arbeiten: Erstens einen Graben ausheben für das Verlegen eines Kanalisationsrohres, zweitens das Abschleifen von Fensterrahmen, damit sie neu gestrichen werden konnten. Der ältere Meister lobte mich und sagte: „Gut, wenn man sich auf die Mitarbeiter verlassen kann!“ So war es für beide, das Jugendhaus und für mich, eine win-win-Situation. Und natürlich half ich dann noch bei der Bepflanzung.“ (Piers Walter) Bei der Eröffnungsfeier wurde die Hoffnung ausgesprochen, dass in dieses Jugendhaus der richtige Geist einziehen möge, um junge Menschen über neue Wege und Angebote zum Glauben an Jesus Christus zu führen.
Wie es danach weiterging
Im September 2006 konnte gefeiert werden: 10 Jahre Jugendhaus!
Dazu schrieb Gabi Pack: „10 Jahre Leben – Leben und Lebendigkeit in allen „Farben“. Gott sei Dank für jeden jungen Menschen, dem wir begegnen und den wir segnen durften! Jeder und jede von ihnen ist ein Juwel Gottes – so steht es in unserem Credo, und bei diesem Glauben bleiben wir.“
Im Dezember 2006 schrieb Jugendreferent Marco Paries nach einem Jahr Dienst im Jugendhaus: „Jugendhaus heißt für mich: . . . Chefkoch zu sein . . . ganz „Ohr“ zu sein . . . ein Zocker zu sein . . . hinter andern herzugehen . . . andere zu schulen . . .
für andere zu beten Ludgard Dissevelt erinnert sich: - „Eine Clique Jugendlicher waren mit die ersten Besucher des Jugendhauses. Oft spielten sie bis in den späten Abend Basketball. Gerne saßen sie auf der Bank vor der Kirche. Sie waren für mein Empfinden übermütig, unerzogen, anhänglich an Gabi, manchmal dreist, voller Lebensfreude und Energie. - Selbst wenn sie genau wussten, dass der Jugendbereich geschlossen war, jagten sie später, als der Erste ein Auto fuhr, kurz über den Kirchweg hoch, um die Kirche herum, wieder zurück ins Dorf. Das gehörte zu ihrem Ritual dazu.“ - „Und wenn mal Randale war oder etwas schief ging? Zum Beispiel, als sie Ostersamstag 1997 alle Wasserhähne laufen ließen und den Abfluss verstopft hatten?“ - „Ich drückte einem den Schrubber, dem anderen den Aufnehmer in die Hand, und mehr oder weniger gemeinsam machten wir . So sauber war der Boden seitdem nie Seite 5 mittendrin, August/September 2008 mehr. - Sie waren eine Clique und teilten Freud und Leid miteinander. Nach dem tragischen Unfalltod von Dreien von ihnen schrieben sie fast 2 Jahre, und länger, immer wieder in das Gästebuch der Kirche ihren Kummer über den Verlust und ihre Hoffnung, dass die Drei gut aufgehoben waren.“
Im Herbst 2007 ging es weiter:
Andreas Obergriessnig kam als neuer Jugendreferent Nach dem Weggang von Marco Paries wurde rasch ein neuer Jugendreferent gefunden, Andreas Obergriessnig. Er kam mit einer umfassenden Ausbildung und Erfahrung in aufsuchender Straßenarbeit, Seelsorge und Suchtberatung. Mit ihm kamen neue Aspekte zu den bisherigen Zielen hinzu: aktiv vor Ort an den Brennpunkten der Jugendlichen- Treffs denen nachzugehen, die von sich aus nicht zum Jugendhaus gekommen wären. Er schrieb im Dezember 2007: „Ich wünsche mir eine gute Zusammenarbeit mit Allen aus der Gemeinde . . .,wir in unserem kleinen Team sind bemüht, dass sich die Situation festigt und stabilisiert. Die Not ist nicht weniger geworden . . .. Gern möchte ich von Euren Wünschen und Hoffnungen erfahren“ Ein Team von neuen Mitarbeitern entstand. Vor allem das Ehepaar Cornelia und Frank Stange, Jessica Huhn und Martina Immhäuser sowie neue Jugendliche (auch durch Sozialstunden) sind zu nennen. Hier einige Stimmen dieser ehrenamtlichen Mitarbeiter:
Cornelia Stange berichtet, dass sie als gebürtige Denklingerin nach 20 Jahren in Köln zurück ins Elternhaus kam, um mit für die Eltern da zu sein. Hier erfuhr sie, dass Mitarbeiter im Jugendhaus gesucht wurden. In Erinnerung an die Jugendarbeit, an der sie in Denklingen bis zum Alter von 18 Jahren beteiligt war, wurde sie durch die neue Art der offenen Jugendarbeit angerührt – anders als sie es kannte, aber lohnend erschien ihr dieses Angebot. Mit großer Freude setzte sie sich für diese Arbeit ein, und sie berichtet, dass sie für ihren Einsatz an Zeit und Kraft viel von den Jugendlichen zurück bekam.
Jessica Huhn bestätigt diese Einschätzung. Sie hat sich gern werben lassen für diese ehrenamtliche Tätigkeit. Gerade hatte sie eine Mitarbeit in der Jugendgruppe Hammermühle beendet – nun reizte sie diese neue Aufgabe. Sie freute sich über den missionarischen Ansatz dieser Arbeit: diesen meist kirchenfremden Jugendlichen vom Glauben an Jesus zu erzählen. Sie sah die erste Aufgabe des neuen Teams darin, Vertrauen aufzubauen. Weiter wünscht sie sich viele Ideen für das Jugendhaus und die Jugendgottesdienste, wobei sie auch gerne an frühere Ideen anknüpfen möchte.
Blick in die Zukunft
Die offene Jugenarbeit wird weitergeführt. Wir gehen auf neue Zielgruppen zu. Dies sind vor allem jüngere Jugendliche. Sie spielen oft Basketball auf dem Vorplatz. Sie haben sich vorher an Straßenecken getroffen. Die Zusammenarbeit mit dem Konfirmandenkurs brachte neue Besucher und auch Mitarbeiter. Unser klarer Kurs gegen Betäubungsmittel und Computer-Mißbrauch wird akzeptiert. Das Jugendhaus fördert das Zusammenwachsen der offenen Arbeit mit der gemeindlichen Jugendarbeit unter dem Ziel gemeinsam geführter Gottesdienste. Dies hat gute Rückwirkungen auf die Atmosphäre des Jugendhauses. Wir wollen deutlich besser angenommen werden in den Angeboten von Seelsorge. Die Öffnungszeiten des Jugendhauses sollen möglichst erweitert werden. Wir denken nach über gesonderte Öffnungstage für unterschiedliche Zielgruppen. Für diese Erweiterung brauchen wir weitere Hilfen und Ressourcen. Dazu sucht Andreas Obergriessnig freiwillige Helfer! Auch wer nur an einem Tag der Woche sich stundenweise einsetzen kann, ist willkommen! Verschiedene praktische Fähigkeiten, die z.B. ein Pensionär einbringen könnte, würden neue Angebote ermöglichen (so ist eine Schreinerwerkstatt bereits vorhanden). Hier könnten viele neue Wege gesucht werden. Ein weiterer dringender Wunsch von Andreas Obergriessnig ist, dass eine engagierte, gestandene Christin ihm bei der Straßenarbeit stundenweise hilft. Um auch auf die Mädchen zuzugehen, ist es wichtig, dass eine Frau dabei ist.
Gehen Sie mit!
Wir danken für alle Spender der letzten Jahre und für die aktuellen Spenderinnen und Spender. Wir erbitten weitere Unterstützung, Zuspruch und Fürbitte. Bitte nutzen Sie unsere Kontoverbindung: Evangelische Kirchengemeinde Denklingen Raiffeisenbank Wiehl eG Konto: 500 00 30 14 BLZ: 384 621 35 Verwendungszweck: „offene Jugendarbeit“
Mittwoch, 16. Juli 2008, ChristophC